Martina und Sepp Kröll haben in Hinterglemm nicht einfach ein Hotel, sondern eine „Destination“ geschaffen. Die Erdung holt sich speziell Sepp Kröll in der eigenen Landwirtschaft, bei seinen Kühen. Was wiederum zu abgehoben köstlichen Genusserlebnissen für die Gäste führt. Hinterglemm liegt ziemlich genau 1100 Meter über dem Meer. Also, wenn auch im Tal, dann doch ordentlich am Berg. Da duzt man sich. Also nicht wundern, wenn das folgende Gespräch nicht so sehr steif und förmlich ist. Wobei wir schon beim ersten Geheimnis des Wiesergutes sind. Die ungezwungene, herzliche Atmos-phäre an einem ungewöhnlichen Ort. Das Skigebiet Saalbach-Hinterglemm-Leogang-Fieberbrunn (ja, es hat nicht nur einen sehr langen Namen, sondern auch sehr viele Pistenkilometer) nennt sich „Home of lässig“. Eine Beschreibung, die auch zum Wiesergut passen würde. Allerdings auf allerhöchstem Niveau.
WO HOLT MAN SICH INSPIRATION FÜR SO EIN HOTEL HER?
Wir wussten eigentlich schon immer, was wir wollen. Martina und ich haben ganz klare Vorstellungen. Dafür haben wir Partner gefunden, die diese Idee für und mit uns umsetzen. Modischer Schnickschnack – das ist zum Beispiel nicht unser Ding. Irgendwelche Stoffe, die heute angesagt und in einem halben Jahr wieder passé sind – nein. Wir lassen Stoffe extra für uns weben. Das gehört ganz klar zum Wiesergut-Spirit. Die Keramik ist auch nicht von der Stange. Die fertigt Petra Lindenbauer extra für uns an. Und das sind jetzt nur zwei kleine Details vom großen Ganzen.
WIE IST DENN DIE ARBEITSTEILUNG ZWISCHEN DIR UND DEINER FRAU?
Wir packen alles gemeinsam an. Als Team. Klar hat Martina ihren Bereich, das Organisatorische, die Rezeption. Ich bin mittags auf der Wieseralm, da geht’s hoch her, und pfleg‘ abends die Gäste im Hotel.
UND MORGENS PFLEGST DU DEINE LIEBLINGSMITARBEITERINNEN, DIE KÜHE IM STALL.
Ja. Das brauch‘ ich zur Erdung. Ich liebe meine Pinzgauer Kühe. Ich hege und pflege sie wirklich von ganzem Herzen. Sie geben mir Ruhe, ich gebe ihnen Ruhe. Und denen geht’s gut. Brauchen und bekommen keine Medikamente, keine Antibiotika, kein Soja, nix. Sie danken es uns mit ausgezeichneter Milch.
DAS MUSS JA EINE BESONDERE ERFÜLLUNG SEIN, WENN MAN DEN GÄSTEN ZUM HAUSGEMACHTEN SAUERTEIGBROT DIE EIGENE BUTTER ANBIETEN KANN.
Ja, das ist eine enorme Befriedigung. Dieses Feedback, wie glücklich die Leute darauf reagieren, das ist schon etwas Besonderes. Aber es ist ja nicht nur die Butter. Meine Mutter macht auch einen extrem beliebten Frischkäse, die Eier kommen aus unserem Hühnerstall – du kannst dir vorstellen, was da alles Gutes in einem Kaiserschmarrn steckt. Und ja, die Milch ... die holt sogar Gäste zurück, die ihren Cappuccino normalerweise mit Ersatzmilch trinken.

URLAUB AUF DEM BAUERNHOF 10.0 ... IHR HABT DA SCHON EINE AUSSERGEWÖHNLICHE KOMBINATION GESCHAFFEN. EIN KOLLEGE NANNTE DICH „VISIONÄR DER ÖSTERREICHISCHEN HOTELLERIE“. WÜRDEST DU DICH SELBST ALS „HOTELIER“ BEZEICHNEN?
Das klingt mir zu abgehoben. Auch mit dem Begriff „Premium“ kann ich ehrlich gesagt nichts anfangen. Ich bin Gastgeber und Landwirt. Aber ja, wir bleiben nicht stehen, wir entwickeln uns und das Wiesergut ständig weiter. Sei es das neue BergLoft, die BergSuite oder die Kulinarik. Wir haben jetzt sogar einige Hochbeete angelegt und ziehen da unsere eigenen Kräuter, Gemüse, sogar Kartoffeln.
DANN KANN ICH MIR JA VORSTELLEN, WAS AUS DEN VOGELBEERBÄUMEN AM WIESERGUT WIRD.
Schnaps. Klar.
IN DIE ENERGIEVERSORGUNG BIST DU JA AUCH EINGESTIEGEN. DA WARST DU EINE DER TREIBENDEN KRÄFTE, EIN NEUES WASSERKRAFTWERK ZU BAUEN. ALSO IST AUCH EUER STROM REGIONAL.
Na, die Region bietet uns doch so viel! Wenn man behutsam davon nimmt, hat man ganz lange etwas davon.
UND JETZT WAR DIE SKI-WM IN DER REGION. DIREKT VOR DER HAUSTÜR.
Stimmt. Das Skistadion steht auf unserem Grundstück. Im Winter heißt es bei uns Ski-in, Ski-out, direkt an der Piste. Für uns und die Region ist die WM natürlich großartig. Es sind einige Investitionen in die Infrastruktur geflossen, die es sonst nicht gegeben hätte. Das tut dem Gebiet gut und kommt den Gästen zugute. Ganz zu schweigen vom Werbe- und PR-Wert einer solchen WM. Dafür hab‘ ich mich eingesetzt.
APROPOS GEBIET. IHR NENNT DAS WIESERGUT EINE „DESTINATION“.
Ja, und mit der Denke liegen wir, glaub‘ ich, ziemlich richtig. Wir sind so eine kleine, naja, Oase. Selbst wenn im restlichen Ort mal tote Hose ist, in der Nebensaison sind wir gut gebucht und den Gästen fehlt es an nichts. Wir haben Gäste, die kommen zwei-, dreimal im Jahr. Im Sommer und im Winter. Dieses Konzept „Destination“ scheint bei unserer Zielgruppe auf fruchtbaren Boden zu fallen. Mit dem BergGym, der BergSuite und dem BergLoft haben wir unsere Destination jetzt noch einmal kräftig ausgebaut. Eben im Sinne unserer Wiesergut-Vision, unseres Wiesergut-Spirits. Wir wollen dem Ursprünglichen wieder eine Bühne, gerne auch mal eine neue Bühne geben und unsere Gäste 100 Prozent Authentizität spüren lassen.
DAS VERSTEHT NICHT JEDER AUF ANHIEB, ODER?
Wie vorhin schon gesagt, Martina und ich, wir wissen, was wir wollen. Und das machen wir dann auch. Als wir die Wieseralm eröffnet haben, gab’s von Anfang an jeden Wein auch glasweise. Wir sprechen hier von wirklich feinen Weinen von Ausnahmewinzern wie Hannes Reeh, Franz Hirtzberger und so weiter. Da haben manche den Kopf geschüttelt. Aber was soll ich sagen – das Angebot ist nicht mehr wegzudenken.

FINE-DINING UND SLOW-FOOD-MENÜS IM RESTAURANT, ICH NEHME AN, EHER ALPENLÄNDISCHE SCHMANKERL AUF DER WIESER-ALM?
Ja, klar gibt’s auf der Alm – auf 1500 Meter am Reiterkogel – die Klassiker. Den schon erwähnten Kaiserschmarrn, unser Jausenbrettl, das Schnitzel. Aber gerne auch Gourmetküche. Beef Tartare, Filetsteaks, Meeresfrüchte. Wobei – mein Favorit sind die Kaspressknödl in der klaren Rindsuppe.
KASPRESSKNÖDL – KOMMT DER KÄSE DAFÜR AUCH VOM HOF?
Nein, den macht mir ein Biobauer im Tal. Ich kann ja nicht alles selber machen.
ICH HAB‘ ABER JETZT SCHON DEN EINDRUCK, MARTINA UND DU, IHR HABT ACHT ARME UND JE ZWEI GANZ GROSSE HERZEN.
Ohne großes Herz wirst du weder in der Gastronomie noch in der Landwirtschaft glücklich oder erfolgreich.
WAS FÜR EIN SCHÖNES SCHLUSSWORT. DANKE, SEPP KRÖLL, FÜR DIESES GESPRÄCH.
Über das WIESERGUT
Das Designhotel Wiesergut ist eine einmalige Kombination aus Boutique-Hotel und Landwirtschaft. Hier ausgewählte Materialien und moderne Architektur – da die Eier aus dem eigenen Hühnerstall, Milch von den eigenen Kühen und Kräuter und Gemüse aus dem eigenen Anbau. Ein Rundumgenuss der besonderen Art. 17 Gutshof-Suiten, vier Garten-Suiten und drei exklusive Hideaway-Suiten mit eigener Sauna im Garten erwarten die Gäste. Das Haus wurde erst kürzlich, 2024, erweitert, die imposante Bergwelt steht schon länger rund um das Wiesergut.
Das neue BergGym, die BergSuite und das BergLoft komplettieren seit 2024 das Wiesergut. Ein State-of-the-art-Fitnessstudio, ein Quellwasser-Outdoor-Pool, ein Indoorpool, Privat-Spa auf dem Dach mit offenem Kamin, eine Badewanne im Freien – das Konzept „Destination“ wird dank des abwechslungsreichen Angebotes deutlich.