Weindurchblick

Im Restaurant Atlantik Fisch wurde es still, als Walter Polz das Wort ergriff. Ohne Pathos, ohne Inszenierung – dafür mit der Gelassenheit eines Winzers, der genau weiß, worauf es ankommt: Herkunft, Handwerk und ein tiefes Verständnis für Wein jenseits vordergründiger Effekte.

Zur Masterclass „WEIN BY POLZ WALTER“ hatte er ein hochkarätiges Publikum geladen, das sich mit spürbarer Aufmerksamkeit auf diesen Abend einließ. Schnell wurde klar: Es ging nicht um ein klassisches Tasting, sondern um einen feinsinnigen Dialog zwischen Glas, Gaumen und Haltung.

Der Einstieg war bewusst reduziert. Luftgetrockneter Schinken, handwerklich hergestellt, salzig und klar, setzte den Rahmen, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Genau darin spiegelte sich die Haltung des Abends: Großer Genuss braucht keine Inszenierung, sondern Substanz.

Auch die Weine von Walter Polz folgten diesem Prinzip. Verkostet wurden der exklusive Ried Hochgrassnitzberg Sauvignon Blanc, der Ried Obegg Sauvignon Blanc, der Ried Obegg Chardonnay sowie der STONE WHITE Sauvignon Blanc – vier Positionen, die eindrucksvoll zeigten, wie präzise Herkunft im Glas erlebbar wird. Sie suchen nicht den schnellen Effekt, sondern setzen auf Struktur, Länge und Ausdruck. Im Glas offenbart sich weniger die Rebsorte als vielmehr das, was darunter liegt: Boden, Klima und Herkunft. „Nicht die Rebsorte soll man schmecken, sondern das Terroir“– dieser Gedanke zog sich als roter Faden durch den Abend.

Die Südsteiermark mit ihren kalkhaltigen Böden und ihrem anspruchsvollen Klima bringt genau solche Weine hervor: präzise, spannungsvoll und von salziger Energie geprägt. Polz selbst bleibt dabei ruhig und klar in seiner Haltung. Für ihn entsteht Wein nicht durch Eingriffe im Keller, sondern im Zusammenspiel von Lage, Reife und konsequentem Handwerk. Was ins Glas kommt, soll bleiben – nicht nur beeindrucken, sondern nachwirken.

Besonders greifbar wurde das im Vergleich der Jahrgänge 2022 und 2023 des Ried Obegg Sauvignon Blanc. Während der 2022er konzentriert und bemerkenswert balanciert erschien, zeigte sich der 2023er offen, zugänglich und charmant in seiner Jugend. Dieser Kontrast machte deutlich, wie entscheidend Zeit als Faktor für Qualität ist – und wie sehr Geduld den Charakter eines Weins formt.

Auch im Ausbau setzt Polz bewusst auf Natürlichkeit: spontane Vergärung, lange Hefelagerung, minimale Eingriffe. Eine klare Gegenposition zu einem Markt, der oft auf schnelle Effekte ausgerichtet ist. Seine Haltung bringt er selbst auf den Punkt: „Viele Weine haben Alkohol und Geschmack, aber keinen Charakter.“

Ein zentrales Thema war zudem der richtige Lesezeitpunkt. Für Polz ist die physiologische Reife entscheidend – Kompromisse gibt es hier nicht. Der Vergleich mit einem unreifen Apfel macht es greifbar: Was nicht reif ist, bleibt unvollständig. Qualität zeigt sich für ihn nicht in analytischen Werten, sondern in Balance und innerer Stimmigkeit.

Was von diesem Abend bleibt, geht über das Geschmackliche hinaus. Es ist eine präzise, salzige Spannung, die nachhallt – und das Bild von Wein als „Kino im Kopf“, wie Polz es beschreibt. Unaufdringlich, aber nachhaltig.

Im Gespräch verdichtete sich schließlich die Essenz dieses Weindurchblicks: Genuss ist keine Frage des Preises, Geschmack keine Selbstverständlichkeit. Qualität erschließt sich nur dem, der bereit ist, sich wirklich darauf einzulassen.

Diese Masterclass war kein Abend der großen Gesten, sondern einer der Klarheit. Walter Polz zeigte ehrlich, was Wein sein kann, wenn man ihn lässt. Und genau darin lag seine besondere Faszination. „Preis allein ist noch lange kein Geschmack.“ Ein Satz, der nachwirkt.

www.wilderwein.at

Weitere Artikel

Wo die Playa leiser wird

Mallorca kann lebhaft und entspannt zugleich sein. Genau dieses Zusammenspiel macht den Reiz des Iberostar Selection Llaut Palma aus: ein stilvoller Rückzugsort für Erwachsene, der Erholung, ausgezeichnete Kulinarik und nachhaltigen Komfort mit der Nähe zum pulsierenden Leben an der Playa de Palma verbindet.

Die besten 48 Stunden Bozen mit Michi Klemera

„What a difference a day makes...” sang einst Dinah Washington und erzählte, was in „twenty-four little hours” alles passieren kann. Für Only the Best werden an dieser Stelle verschiedene Autoren weitere 24 Stunden hinzufügen und Ihnen jeweils „Die besten 48 Stunden“ in einer Region, einer Stadt oder auf einer Insel präsentieren. Lassen Sie sich an Orte mitnehmen, die mir immer wieder wunderbare Gründe geben, zurückzukehren.

Wo Design, Ästhetik, Kulinarik und ein Stern leuchten

Wie die Familie Doetsch gemeinsam mit Axel Vervoordt und Küchenchef Peter Fridén einen der außergewöhnlichsten Orte der deutschen Hospitality geschaffen hat.

Inside the Circle – Yours Club of Wine

In unserer Kolumne hat Christiane Wolff dieses Mal Henrike und Sven Johannson in ihrem Yours club of wine in München besucht und erfahren, was diesen Ort für Weinliebhaber so besonders macht.